Warum ich den Frisian-Noir-Abend aufgebaut habe: Mehr als eine Lesung
- Bodo Lehwald Ostfriesenkrimis

- 17. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Wenn das Licht im Raum langsam dunkler wird, beginnt bei meinem Abend nicht sofort die Lesung. Zuerst kommt der Ton. Tiefe Synthesizer, dunkle Klangflächen und dieses leichte Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Spätestens wenn die ersten Klänge einsetzen, sollen die meisten merken: Das hier wird anders. Und genau so habe ich es mir vorgestellt.
Die Idee für den Frisian-Noir-Abend entstand nicht an meinem Schreibtisch. Wie so vieles begann sie draußen – auf Spaziergängen mit Dusty durch Emden. Zwischen Wasser, Wind und diesen Momenten, in denen die Stadt morgens noch völlig still wirkt und plötzlich Raum für neue Gedanken entsteht. Es sind oft friedliche Momente, in denen der Kopf frei wird und plötzlich Bilder entstehen, die später zu Szenen, Orten oder ganzen Fällen werden.
Irgendwann stellte ich mir eine einfache Frage: Warum endet diese ganz besondere Atmosphäre eigentlich in dem Moment, in dem ein Autor ein Mikrofon in die Hand nimmt?
Ich habe großen Respekt vor klassischen Lesungen. Viele Menschen lieben genau dieses Format: Ein Autor, ein Text und die volle Konzentration auf Worte. Daran ist nichts falsch. Für meine Geschichten fühlte es sich irgendwann nur nicht mehr vollständig an. Denn ich möchte nicht nur ein Buch vorstellen. Ich möchte den Gedanken hinter meinen Büchern spürbar machen. Dieses Gefühl, wenn Nebel über dem Wasser hängt. Wenn ein leerer Ort plötzlich unheimlich wirkt. Wenn Ruhe nicht beruhigend ist, sondern bedrohlich.
Aus dieser Idee wurde in den letzten Monaten konkrete Planung – und genau dort kamen die ersten Zweifel. Welcher Raum passt überhaupt dazu? Wie dunkel darf Licht sein, ohne ungemütlich zu werden? Welche Musik verstärkt eine Szene – und welche zerstört sie? Wie laut dürfen Lautsprecher sein? Wann braucht ein Text Stille? Und vor allem:
Funktioniert das überhaupt außerhalb meines Kopfes?
Neue Ideen wirken oft großartig, solange sie nur Gedanken bleiben. Schwieriger wird es, wenn bald zum ersten Mal Menschen davor sitzen. Natürlich werde ich nervöser, je näher der 23. Juli rückt. Nicht wegen der Texte – sondern weil man erst vor Publikum erfährt, ob eine Idee wirklich funktioniert. Aber ich weiß noch nicht, ob Licht, Musik, Pausen und Sprache gemeinsam am Ende wirklich das erzeugen, was ich fühlte, während ich diese Geschichten geschrieben habe. Bis zum großen Tag werde ich mich wohl jeden Morgen fragen: Habe ich an alles gedacht?
Vielleicht gehört genau diese Unsicherheit dazu. Denn aus einer Idee wird gerade deutlich mehr als nur eine Lesung. Räume werden angeschaut, Musik gesucht, Übergänge getestet und Technik aufgebaut. Dinge werden wieder verworfen und neu gedacht. Nicht, weil alles perfekt sein muss. Sondern weil Atmosphäre empfindlich ist.
Der Frisian-Noir-Abend soll kein Termin werden, bei dem Menschen einfach nur zuhören. Ich wünsche mir etwas anderes: Ich wünsche mir, dass die Besucher danach im Dunkeln nach Hause gehen und plötzlich bewusster auf Geräusche achten. Dass der Wind anders klingt. Dass ein leerer Parkplatz, eine stille Straße oder der Nebel am Wasser für einen kurzen Moment nicht mehr ganz harmlos wirken.
Denn genau darum geht es mir. Ich möchte nicht nur Geschichten erzählen. Ich möchte, dass Menschen sie für einen Abend erleben.



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