Werkzeuge und ihre Macken – oder: Wie Dusty mein MacBook unsterblich machte
- Bodo Lehwald Ostfriesenkrimis

- 27. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Manche Autoren schreiben mit einem besonderen Füller. Andere schwören auf einen Lieblingsstuhl, eine bestimmte Tasse oder das richtige Licht am richtigen Fenster. Alles, um in den Flow zu kommen. Rituale, verstehst du?
Ich bin auch so einer. Nur dass mein Ritual jetzt ein bisschen chaotischer geworden ist.
Es war ein ganz normaler Sonntagnachmittag. Ich saß am Schreibtisch, die Finger auf der Tastatur, irgendwo in Ostfriesland – genauer gesagt, in der Kopfwelt von Kommissarin Lena Berg. Das MacBook schnurrte vor sich hin, auf dem Schreibtisch stand eine Tasse Kaffee. Alles war perfekt. Alles war wie immer.
Dann verließ ich kurz den Raum.
Das war der Fehler.
Denn in dieser einen Minute, in der ich weg war, beschloss mein Australian Shepherd Dusty, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für ein Experiment sei. Die Hypothese: Was passiert, wenn man eine volle Kaffeetasse mit dem Schwanz über ein MacBook kehrt?
Die Antwort kam schnell. Und nass. Das Herzflattern gab es gratis dazu.

Die Notfall-Notoperation
Kaffeewasser und Elektronik – das ist so eine Kombination, die Hardwarehändler lieben. Mein MacBook musste sofort zur Analyse. Das Urteil der Experten fiel eindeutig aus: Das Display war hin. Transplantation nötig.
Also bestellte der Händler ein neues Midnight-Display – die elegante dunkelblaue Variante, die zum Rest des Geräts passt. Warte ein, zwei Tage, dann ist alles wieder wie gehabt, sagten sie.
Aber dann passierte etwas Wunderbares – oder Bizarres, je nachdem, wie man es sieht.
Apple schickte versehentlich ein silbernes Display.
Silber. Auf einem Midnight-Gehäuse.
Optisches Chaos. Ein MacBook, das nicht hätte existieren dürfen.
Der Händler bot an, es sofort auszutauschen. „Kein Problem, wir bestellen das richtige Teil.“ Ein, zwei Tage Wartezeit, dann wäre alles wieder perfekt. Makellos. Harmonisch.
Aber manchmal ist ein funktionierendes Werkzeug wichtiger als Perfektion.
Also sagte ich: Nein. Lasst es so.
Seitdem arbeite ich auf einem MacBook, das einzigartig ist – nicht, weil es besonders gut ist, sondern weil es fehlerhaft ist. Ein silberner Deckel auf dunkelblauem Grund. Jedes Mal, wenn ich das Ding aufklappe, erinnert es mich an Dusty, an diesen Sonntagnachmittag, an die kleine Katastrophe, die eigentlich hätte anders enden sollen.
Ich nenne es meine „Kaffee Edition 2026“.
Und jetzt zum Ironie-Meter dieses Blogposts: Das ist genau das Material, aus dem gute Geschichten entstehen. Die Makel. Die ungeplanten Wendungen. Die Momente, in denen die Realität unvorhersehbarer ist als jedes Drehbuch.
Wenn ich an meinem Roman über Kommissarin Lena Berg sitze und auf dieses frankensteinartige Display starre, denke ich: Das hatte ich nicht geplant. Und genau deswegen ist es perfekt.
Das MacBook funktioniert einwandfrei. Das Display ist scharf. Die Tastatur reagiert.
Aber es sieht aus wie die Geschichte eines Unfalls – und die sind oft die interessantesten.
Danke, Dusty. Du hast mir einen Rechner verschafft, der so einzigartig ist wie eine gute Krimi-Handlung.

Was ist dein Schreib-Ritual, lieber Leser? Und habt ihr auch so Momente, in denen ein Missgeschick plötzlich zur besten Lösung wurde?



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