Wenn der Wind die Plot-Twists schreibt – Meine Schreiborte in Ostfriesland
- Bodo Lehwald Ostfriesenkrimis

- 17. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Wer glaubt, dass ein Kriminalroman ausschließlich am Schreibtisch entsteht, irrt. Natürlich werden dort die Kapitel geschrieben, Dialoge geschliffen und unzählige Überarbeitungen vorgenommen. Doch die eigentlichen Geschichten beginnen für mich woanders.
Sie entstehen draußen.
Genauer gesagt dort, wo der Wind über die Deiche zieht, Möwen ihre Kreise ziehen und der Blick bis zum Horizont reicht. An Orten, an denen die Gedanken nicht von Bildschirmen, Terminen oder dem Alltag bestimmt werden, sondern von der Landschaft selbst.
Schreiborte in Ostfriesland – Wo meine Ideen entstehen
Wenn eine Szene nicht funktioniert, Kommissarin Lena Berg in einer Sackgasse steckt oder ein Plot-Twist einfach nicht überzeugen will, kenne ich nur eine Lösung: Leine schnappen, Dusty rufen und los.
Mein Australian Shepherd ist dabei weit mehr als nur mein Begleiter. Während er konzentriert jede neue Spur im Gras untersucht, sortiere ich im Kopf Hinweise, Motive und Wendungen. Ohne dass ich es bewusst merke, beginnt sich das Puzzle Stück für Stück zusammenzusetzen.
Besonders an Tagen, an denen der Himmel tief über Ostfriesland hängt und der Wind die Nordsee aufwühlt, entstehen oft die besten Ideen. Dann peitscht die Gischt gegen den Deich, das Schilf raschelt im Takt der Böen, und selbst vertraute Wege wirken plötzlich fremd. Bei diesem Wetter erscheint selbst ein leerer Deich wie ein Tatort.
Nicht selten kehre ich von einem Spaziergang mit einer Lösung zurück, nach der ich stundenlang am Schreibtisch vergeblich gesucht habe.

Geschichten liegen oft direkt am Wegesrand
Manchmal genügt eine einzige Beobachtung.
Eine lose Festmacherleine, die gegen einen Bootsmast schlägt. Das dumpfe Tuckern eines Kutters im Hafen. Nebelschwaden, die langsam über einen Kanal ziehen und Häuser, Bäume und Menschen verschlucken. Oder die fast unheimliche Stille, die entsteht, wenn der Wind für einen kurzen Moment innehält.
Genau solche Augenblicke finden später ihren Weg in meine Romane.
Nicht eins zu eins. Sondern als Stimmung. Als Gefühl. Als dieses schwer greifbare Etwas, das Leserinnen und Leser oft gar nicht bewusst wahrnehmen – das sie aber tief in die Geschichte hineinzieht.
Ostfriesland schreibt mit
Für mich ist Ostfriesland weit mehr als die Kulisse meiner Krimis.
Die Landschaft ist ein stiller Mitspieler. Mal rau und unnachgiebig, mal überraschend sanft. Sie kann Geborgenheit vermitteln und wenige Minuten später bedrückend wirken. Genau diese Gegensätze faszinieren mich immer wieder.
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich den Begriff Frisian Noir geprägt habe.
Nicht, weil meine Geschichten einfach nur in Ostfriesland spielen.
Sondern weil die Landschaft selbst Teil der Handlung wird. Wind, Wetter, Weite und Schweigen erzählen ihre eigene Geschichte. Sie beeinflussen Menschen, Entscheidungen und manchmal sogar den Ausgang einer Ermittlung.
Viele meiner Leser sagen nach einem Buch, sie hätten das Gefühl gehabt, den Wind zu spüren oder den salzigen Geruch der Nordsee wahrzunehmen.
Genau das möchte ich erreichen.
Und wo entstehen eure besten Gedanken?
Jeder Mensch hat einen Ort, an dem der Kopf frei wird.
Für die einen ist es ein Lieblingscafé. Für andere ein Waldweg oder ein Platz am Wasser. Mein Ort liegt meist irgendwo zwischen Deich, Hafen und den endlosen Weiten Ostfrieslands – fast immer mit Dusty an meiner Seite.
Mich würde interessieren: Wo findet ihr eure besten Ideen? Gibt es einen Ort, an dem ihr abschalten, nachdenken oder neue Kraft schöpfen könnt?
Schreibt es gern in die Kommentare. Ich freue mich darauf, eure persönlichen Kraftorte kennenzulernen.
Herzliche Grüße
Bodo Lehwald



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